Starlink - taugt das Internet aus dem Weltall?

Starlink - taugt das Internet aus dem Weltall?

Wer in Deutschland lebt – besonders in ländlichen Regionen – kennt das Problem nur zu gut: langsames Internet.
Vom Ausbau ganz zu schweigen … der ist oft entweder nicht geplant oder liegt in weiter Ferne.

So geht es auch mir. Seit etwa vier bis fünf Jahren nutze ich eine 50-Mbit/s-Leitung, was damals zumindest ein großer Schritt nach vorn war. Zuvor lag das Maximum an meinem Standort bei gerade einmal 25 Mbit/s. Doch seien wir ehrlich: In der heutigen Zeit reicht das einfach nicht mehr aus.

Nach mehrfachen Nachfragen bei meinem Provider bekam ich stets dieselbe Antwort zu hören:

„Mehr können wir nicht bieten, und ein Glasfaserausbau ist in nächster Zeit nicht geplant.“

Nach der erneuten Vertröstung vor ein paar Wochen war für mich jedoch Schluss. Ich begann, mich nach Alternativen umzusehen – und erinnerte mich an Starlink. Internet aus dem Weltall, und das offenbar mit durchaus respektablen Geschwindigkeiten. Das klang für mich vielversprechend.

Also startete ich meine Recherche und wagte schließlich den Praxistest. Begleite mich in diesem Beitrag auf meinem Test weg von DSL hin zu Starlink. :)


Hinweis:
Bei diesem Beitrag handelt es sich nicht um bezahlte Werbung. Ich schildere ausschließlich meine persönlichen und objektiven Erfahrungen. Im Verlauf des Beitrags verlinke ich auf Produkte und Artikel, die ich selbst verwendet habe; eine Sponsoring- oder Kooperationsbeziehung mit den jeweiligen Herstellern besteht nicht.

Alle Inhalte wurden von mir nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert und erstellt. Trotz sorgfältiger Prüfung kann ich jedoch keine Gewähr für die vollständige Richtigkeit, Aktualität oder Vollständigkeit der Angaben übernehmen.


In diesem Beitrag gehe ich auf folgende Punkte ein:

  • Kosten
  • Lieferumfang und Unboxing
  • Zubehör
  • Aufbau und Montage meines Starlink-Systems
  • Starlink in Kombination mit einer FRITZ!Box
  • Verfügbarkeit bei Witterung
  • Datenschutz und Datensicherheit
  • Zahlen, Daten und Fakten (DSL vs. Starlink)
  • Ergebnisse nach einer 30-tägigen Testphase inklusive Fazit
  • Für wen kann ich Starlink definitiv weiterempfehlen
  • Kündigung des Vertrags & Rücksendung der Hardware

Kosten

Starten wir mit den Kosten. Starlink bietet aktuell zwei Tarife für Privathaushalte an:

  • Privathaushalt Lite für 29 € pro Monat
  • Privathaushalt für 50 € pro Monat

Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Paketen liegt in der Priorisierung des Datenverkehrs.
Bei der Lite-Variante ist der Internetzugang nicht priorisiert. Vereinfacht gesagt bedeutet das: Bei hoher Netzauslastung kann die verfügbare Bandbreite reduziert werden. Beim regulären Privathaushalt-Tarif greift diese Einschränkung nicht.

Die Hardware ist in beiden Tarifen identisch.

Ich habe mich für den Privathaushalt-Tarif für 50 € pro Monat entschieden. Zum Vergleich: Bei meinem bisherigen Anbieter bezahle ich 41,99 € für eine 50-Mbit/s-Leitung.

Aktuell wirbt Starlink mit einem attraktiven Angebot: Für die Hardware fallen lediglich Verpackung und Versand in Höhe von 19 € an. Laut Website (starlink.com) ist keine Vorauszahlung für die Hardware notwendig.

Wie ich der Webseite und dem Internet entnehmen konnte, handelt es sich bei der Hardware in Deutschland derzeit/mittlerweile um eine Leihgabe. Die Geräte werden zugeschickt, während man lediglich die monatlichen Servicekosten zahlt. Kündigt man den Vertrag, muss die Hardware wieder zurückgegeben werden.


Lieferumfang und Unboxing:

Nach bereits 5 Tagen ist die Starlink-Hardware bei mir angekommen. Werfen wir einen Blick in den Karton und sehen nach, was sich darin verbirgt.

Starlink-Hardwareverpackung
Karton geöffnet

Öffnet man den Karton, kommt einem zunächst die sogenannte Dish (der Einfachheit halber im Folgenden als "Starlink Antenne" bezeichnet) entgegen. Darunter befinden sich eine Schnell-Anleitung, das Netzteil, ein 15M Kabel und der Gen. 3 Router.

15M-Kabel, Gen3 Router und Netzteil

Zubehör

Das Zubehör für Starlink kann direkt über den Starlink-Shop bestellt werden. Ein Einblick in den Shop ist allerdings erst nach der Bestellung und der Anlage eines Benutzerkontos möglich.

Ein klarer Nachteil: Die Preise sind vergleichsweise hoch.
So werden beispielsweise für ein längeres Kabel rund 150 € verlangt.

Für meinen Test habe ich mich daher für Zubehör von Amazon entschieden.
Zum Einsatz kam eine 360-Grad-Dachhalterung für rund 70 €.


Nun geht es an die Montage. Wichtig ist dabei, einen Punkt zu finden, an dem das Gerät freie Sicht auf den Himmel hat. Mit der Starlink-App lässt sich das dank einer integrierten Funktion, wo man den Himmel „abscannt“, sehr gut überprüfen. Dabei werden Hindernisse erkannt und anhand dieser Daten die Qualität des möglichen Montagepunkts berechnet. Ich habe mich in meinem Fall für einen Balken auf dem Dach entschieden.

Nachdem die Halterung und die Starlink-Antenne auf dem Dach montiert waren, begann die weitere Einrichtung. Dank der gut verständlichen Anleitung in der App ist dieser Schritt sehr einfach umzusetzen. Das Starlink-Kabel wird mit dem Router verbunden, am dafür vorgesehenen Port angeschlossen und anschließend wird der Router mit Strom versorgt – schon ist das System einsatzbereit.

Die App zeigt anschließend in Grad an, wie die Starlink-Antenne ausgerichtet werden muss. Ist dies erledigt, dauert es noch einige Stunden, bis sich das Gerät vollständig am Montageort kalibriert hat. In dieser Zeit kann das Netzwerk jedoch bereits problemlos genutzt werden.

Schon kurz nach der Inbetriebnahme konnte ich Geschwindigkeiten von bis zu 350 Mbit/s erreichen, auch wenn diese anfangs noch etwas schwankten.

Nach einem Tag kann man in der App unter dem Menüpunkt „Störungen“ prüfen, ob das System an einem geeigneten Standort steht und ob es durch Hindernisse beeinträchtigt wird. Bei mir wurde lediglich eine kleine Ecke des Daches als potenzielles Hindernis vom System erkannt.


Um Starlink mit einem weiteren Router, zum Beispiel einer FRITZ!Box, zu betreiben, bietet der Starlink-Router den sogenannten Bypass-Modus. Ist dieser aktiviert, fungiert der Starlink-Router lediglich als Modem, während die FRITZ!Box dahinter die vollständige Netzwerkverwaltung übernimmt.

Um die FRITZ!Box mit dem Internet zu versorgen, verbindet man ein LAN-Kabel vom LAN-Port 1 der FRITZ!Box mit einem der beiden RJ45-Netzwerkanschlüsse des Starlink-Routers. Anschließend meldet man sich an der Benutzeroberfläche der FRITZ!Box an und navigiert zu Internet → Zugangsdaten. Als Internetanbieter wählt man „Weiterer Internetanbieter“. Hier wähle ich die Option „vorhandener Zugang über LAN“ .

FritzBox-Verwaltungsoberfläche: Internet → Zugangsdaten → Internetzugang

Damit ist die FRITZ!Box korrekt konfiguriert, nun muss nur noch der Bypass-Modus am Starlink-Router aktiviert werden.

Hierzu öffnen wir die Starlink-App, wählen Einstellungen → Router → Bypass-Modus.

Starlink-App Router-Einstellungen
Bypass-Mods
⚠️
Achtung: Wie die App bereits darauf hinweist, ist nach dem Aktivieren des Bypass-Modus ein physischer Zugriff auf das Gerät erforderlich, um diese Einstellung wieder rückgängig zu machen.

Nach den vorgenommenen Änderungen empfehle ich, die FRITZ!Box einmal neu zu starten. Nachdem sie wieder hochgefahren war, konnte ich wie gewohnt alle Geräte in meinem Netzwerk unter 192.168.178.0/24 erreichen. Auch meine Server behielten ihre IP-Adressen und konnten sofort wieder online gehen.

Generell würde ich jedem empfehlen, Starlink mit einem Router eines Drittanbieters – beispielsweise einer FRITZ!Box – zu betreiben. Bei Downloadtests über das WLAN des mitgelieferten Gen-3-Routers kam es bei mir immer wieder zu Verbindungsabbrüchen. Zwar stieg die Bandbreite kurzfristig auf bis zu 250 Mbit/s, fiel jedoch zwischendurch immer wieder auf 0 Mbit/s ab, bevor der Download anschließend fortgesetzt wurde. Mit der FRITZ!Box hatte ich solche Auffälligkeiten nicht.

An dieser Stelle muss ich allerdings dazusagen, dass ich den mitgelieferten Router nicht ausführlich auf Herz und Nieren getestet habe. Die beobachteten Abbrüche sind mir lediglich aufgefallen und stellen keinen umfassenden Test dar. Auf dem Smartphone konnte ich hingegen keinerlei Probleme feststellen.


Verfügbarkeit bei Witterung

In meinem Testzeitraum konnte ich Starlink bei Sonnenschein sowie bei Schnee testen. Bei Sonne und klarem Himmel sowie bei bewölktem Wetter war die Verbindung top. Ebenfalls Regen konnte das System sehr gut abhaben. Bei leichtem Schnee musste ich aber leider feststellen, dass es häufig zu Störungen kommt. (Die Schneeschlenzfunktion stand hierbei auf „Automatisch erkennen“)

Ereignislog Starlink

Datenschutz und Datensicherheit

Natürlich stellte sich mir auch die Frage, wie Starlink mit meinen persönlichen Daten umgeht.

Kurz gesagt: Starlink bietet seine Dienste innerhalb der EU an und unterliegt damit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), welche in Deutschland gilt.


Downloadtests:

Bei beiden Tests war mein Rechner über LAN mit dem Router verbunden.

DSL:

Der Maximalwert welchen Stream hier anzeigt beläuft sich auf den zuvor ausgeführten Test mit Starlink, nicht DSL.

Vor der Umstellung meines Heimnetzes auf Starlink habe ich in 30-Minuten Intervallen sowie bei verschiedenen Auslastungen des Netzwerks regelmäßig Speedtests durchgeführt. Mit meinem bisherigen DSL-Anschluss lagen die Werte dabei konstant zwischen 45 und 51 Mbit/s im Download sowie 9 bis 11 Mbit/s im Upload, bei einer durchschnittlichen Latenz von ca. 30 ms.

Wie man bereits an den Downloadtests erkennt, liefert Starlink definitiv deutlich mehr Leistung. Allerdings fällt auch auf, dass die Verbindung stark schwankt. In einem Moment erreiche ich 439 Mbit/s Download55 Mbit/s Upload bei einer Latenz von 25 ms, während zu einem späteren Zeitpunkt am Tag die Bandbreite auf 32 Mbit/s Download und 11 Mbit/s Upload bei 11 ms Latenz absinkt. Diese Schwankungen sind leider deutlich spürbar, insbesondere wenn mehrere Geräte gleichzeitig im Heimnetz aktiv sind.

Speedtest alle 30 Minuten:

DSL:

Starlink:

Bereits vor dem Wechsel habe ich mit CheckMK verschiedene Werte im Vergleich überwacht. Dabei habe ich unter anderem folgende Punkte betrachtet

  • Ping auf Google
  • Aufrufzeiten meiner Nextcloud über das Web

Dabei konnte ich folgende Ergebnisse sammeln:

Ping zu Google

Hier lässt sich deutlich erkennen, dass die Latenzen bei DSL wesentlich stabiler waren als bei Starlink. Das war zwar grundsätzlich zu erwarten, allerdings hätte ich nicht damit gerechnet, dass die Schwankungen so stark ausfallen.

Mit Starlink kam es bei mir immer wieder zu Peaks von über 100 ms, während solche Werte bei DSL zuvor eher selten auftraten.

Aufrufzeiten

Die Aufrufzeiten hingegen waren offensichtlich nur leicht schlechter. Allerdings hatte ich das Gefühl, dass Seiten langsamer laden. So hat der vollständige Seitenaufbau meiner Nextcloud stellenweise bis zu 8 Sek. gedauert!


Ergebnisse nach einer 30-tägigen Testphase inklusive Fazit

Starlink ist insgesamt eine sehr leistungsstarke Alternative zu klassischen DSL-Anschlüssen. Gerade die reinen Up- und Downloadwerte, die über die Satellitenverbindung erreicht werden, haben mich durchaus beeindruckt.

Was mich allerdings deutlich stört, sind die starken Schwankungen der Bandbreite. Wären diese Schwankungen durchgehend auf einem Niveau gewesen, das zumindest über meinem bisherigen DSL-Anschluss liegt, wäre das für mich ok gewesen. Leider gab es jedoch immer wieder Situationen, in denen die Verbindung spürbar schlechter war als bei meinem bisherigen Provider.

Dazu kommen die Ausfälle bei Schnee. Da ich mit Homelab usw. auf ein stabiles Netzwerk angewiesen bin, ist das ein definitiver K.o.-Punkt.

Leider endet meine Testphase mit der Rücksendung meiner Starlink-Hardware. Die Schwankungen der Bandbreite sowie die Ausfälle bei Schnee machten mich unsicher. Ich möchte, dass meine Internetverbindung konsistent verfügbar ist. 


Ich kann dir Starlink guten Gewissens empfehlen, wenn du ländlich wohnst und entweder gar keinen Internetanschluss hast oder aktuell mit einer 25-MBit/s-Leitung (oder weniger) auskommen musst. In solchen Situationen bringt Starlink wirklich frischen Wind in deine Internetanbindung – vor allem bei der Geschwindigkeit im Vergleich zu klassischen DSL-Anschlüssen auf dem Land.

Du solltest dir allerdings bewusst sein, dass es – zum Beispiel bei Schnee – zu kleineren Ausfällen kommen kann. Für normales Surfen oder Streaming ist das in der Regel absolut verkraftbar.

Wenn du allerdings, so wie ich, ein Homelab betreibst oder Systeme laufen hast, die möglichst nicht offline gehen sollten, würde ich dir eher davon abraten. Für solche Szenarien fehlt mir persönlich einfach die letzte Portion Stabilität, die man für wirklich "kritische" Anwendungen braucht.

Auch an abgelegenen Orten – etwa in Garagen, Werkstätten oder ähnlichen Standorten, an denen kein DSL-Anschluss vorhanden ist – stellt Starlink eine sehr sinnvolle und leistungsfähige Alternative dar.


Kündigung des Vertrags & Rücksendung der Hardware

Die Kündigung meines Vertrags ließ sich unkompliziert über die Starlink-Webseite durchführen. Im Zuge des Kündigungsprozesses wird per Checkbox abgefragt, ob die Hardware zurückgesendet werden soll. Nach Beantwortung einer kurzen Rückfrage stellt Starlink ein Rücksendeetikett zur Verfügung. Anschließend verpackt man das System und gibt es bei der Post ab – insgesamt ein sehr einfacher Ablauf.

Weniger zufriedenstellend war hingegen meine Erfahrung mit der Rückerstattung. Bereits nach etwa fünf Tagen zeigte das Starlink-Portal an, dass die Rücksendung abgeschlossen sei. Gleichzeitig wurde darauf hingewiesen, dass eine Rückzahlung bei einer Zahlung via Apple Pay bis zu 14 Tage in Anspruch nehmen könne.

Nachdem ich jedoch auch nach dreieinhalb Wochen noch keine Erstattung erhalten hatte, eröffnete ich ein Ticket beim Support. Kurz darauf wurde die Rückzahlung bestätigt, und ich erhielt eine entsprechende E-Mail – erneut mit dem Hinweis auf eine Bearbeitungszeit von bis zu 14 Tagen. Überraschenderweise ging das Geld dann aber bereits innerhalb von zwei Tagen bei mir ein.

Insgesamt musste ich somit mehrere Wochen auf meine Rückerstattung warten. Bei der vergleichsweise geringen Summe ist das zwar kein gravierendes Problem, wirkt jedoch unverhältnismäßig – insbesondere vor dem Hintergrund, dass die erste Zahlungsaufforderung für den Service unmittelbar nach der Inbetriebnahme des Geräts erfolgte.


Ich hoffe, ich konnte dir mit diesem Beitrag ein paar Eindrücke zu Starlink vermitteln, und vielleicht an der ein oder anderen Stelle etwas Licht ins Dunkle bringen.

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